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XIII. Rezeption Republik / Dokumentation zu Dumont

 

Scheels Widerpart (s. unten) im Westen war der Mainzer Historiker F. Dumont. Dessen Lebenswerk („Die Mainzer Republik“ v. 1982, 2. Auflage 1993) überzeugt nach wie vor in den wesentlichen Punkten durch Faktenwert und logische Schlußfolgerungen. Den behaupteten demokratischen Abläufen widerspricht er vehement. Sein Urteil zu den Pariser Dekreten von 12/92 und deren despotischer Umsetzung ist klar und unmißverständlich. Davon ist er nie abgerückt: Demokratische Abläufe (Mehrheitsentscheidungen des Volkes) gab es nicht.

In seiner 2. Auflage weist er in einem eigenen Abschnitt die „Doppelzüngigkeit“ der Besatzungsmacht und ihrer Helfer nach: Deren Handeln stand in offensichtlichem Widerspruch zu der permanenten Propaganda von Menschenrechten, Freiheit und Demokratie. Beabsichtigt war allein die Einverleibung der linksrheinischen Lande zur Kompensation französischer Lasten. (s. a.a. O. S. 586)

Mit Scheel hatte er kontrovers diskutiert, lehnte dessen Auffassung ab. Sein fundiertes Werk gilt bis heute, auch wenn immer wieder versucht wird, an und in seinem Werk zu interpretieren - ohne das schwächen zu können.

Die durch Scheels Thesen auch im Westen ausgelösten Diskussionen zu Erfindung und Schlagwort der „ersten demokratischen Republik/Revolution auf deutschem Boden“ (so die erstmals in der DDR verwendete Formulierung) hat Scheel selbst beendet. Nach der Wende gestand er – ohne Not und deshalb um so glaubwürdiger - die Zurichtung der DDR-Historiker auf die Bedürfnisse der SED und beklagte, in „besonderem Maß zur Magd der Politik herabgewürdigt worden zu sein“. Sein Werk ist danach obsolet, nur noch als Quellensammlung brauchbar. Alle darauf gründenden Schlüsse und Auslegungen sind Makulatur.

Scheel hat offenbar in Einsicht resigniert.  Von  weiteren oder geplanten Schriften seinerseits zum Thema ist nichts bekannt.

Der Begriff “Mainzer Republik“ fand nun in Mainz Asyl. Es galt, die DDR-Schiene aufzuwärmen und nahtlos anzuschließen. Scheels Abkehr wird verschwiegen. Die Mainzer „Mägde“ folgten der erledigten DDR-Propaganda, waren hilfreiche Testamentsvollstrecker der abgehalfterten Diktatur und installierten direkt vor dem Landtagsgebäude mit der schwarzrotgoldenen Hambacher Fahne von 1832 am 18. 3. 2013 einen „Platz der Mainzer Republik“ (= PdMR). Letztere wurde wider die Fakten als existent gesehen "um damit die besetzten Gebiete unter die revolutionäre Trikololore  zu bringen, die Bevölkerung zu französisieren und das Land auszubeuten". Das haben die Franzosen ohnehin getan, bedurften keineswegs des Deckmäntelchens einer "Republik", hat denn konsquenterweise auch der "Scheinkonvent" von einem solchen Beschluss abgesehen. Hambach, 1848, die Sehnsucht nach einem geeinten Vaterland – und der Landtag von heute! – blieben  erhalten.

Demokratische Abläufe werden von Scheel mit dessen Abkehr, von Dumont im Rahmen begründeter Analysen abgelehnt.

Anlage: Exzerpte Dumont „Die Mainzer Republik“, 2. Auflage von 1993

In sorgfältiger Abgewogenheit unter Würdigung der zugänglichen Fakten und mit Beachtung wissenschaftlicher Standards hat Dumont über Jahrzehnte geforscht und deutlich Stellung bezogen. Singuläre Äußerungen in der Tagespresse sind demgegenüber unbeachtlich. Die folgenden Daten sind außerhalb der Textanmerkungen.

Die Aufzählung aus Dumonts Werk erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, entscheidend sind die Volltexte:

Mehr Knechtschaft und Despotismus als je zuvor, strengste Zensur, Reglementierungen, Inflation, erhebliche Fouragierungen, Kriegslasten, Ausplünderung, Frondienste, Einquartierungsnöte: 20.000 Soldaten auf wenige tausend Haushalte, 800 tote Zivilisten infolge Ruhrepidemie nach Verkotung, Feindseligkeit gegenüber Franzosen und Klubisten

(S. 261-263, 269, 305, 470,587, 588)

Gebrochene Kapitulationsbestimmungen (S. 366/372, S. 445)

Finanzielle/wirtschaftliche Ausbeutung und befohlene Überleitung nach Frankreich

(S. 298, 318)

Weder mit Besatzern noch deren Helfern wollten die Menschen zu tun haben, persönl. Diffamierung/Aggressionen (S. 322, 367, 368)

Angst vor französischen Verhältnissen, kein Interesse an einer Umgestaltung

(S. 72, 218, 228-230)

Wirtschaftsnöte, Franzosenhass (S. 261 - 263, 371)

Breite Ablehnung der Besatzer und deren  Eidforderung, Menschen mit Kurstaat sehr zufrieden

(S. 354, 374 – 377)

Bauernaufstände im Donnersberggebiet gegen Eid (S. 344)

Keine revolutionäre Situation in Mainz (S. 67, 589, 598ff)

Rheingrenze von Anfang an Hauptziel Ziel aller frz. Aktivitäten 

(S. 98, 301, 315, 391/433, 435f)

Pariser Dezemberdekrete wider jeden demokratischen Gedanken, Selbstbestimmung ausgeschlossen. Paris diktierte. „Wer sich widersetzt wird als Feind behandelt“. Einschüchterung und Drohungen. Konvent und Republik ohne Eigenständigkeit, waren bloße Durchgangsstation zur Einverleibung und Rheingrenze,.

(S. 289ff, 295-297, 368, 406, 407, 427, 601)

„Wahl“ und Eid als deren Voraussetzung mit Kriegsrecht betrieben (S. 318)

Nahezu alle Bürger lehnten Eid ab, wenige schworen nach Gewaltandrohung (S. 332)

Ohne Eid keine Abstimmung, bei Weigerung Enteignung/Vertreibung (S. 398)

Manipulierte Abstimmung, völlig undemokratisch, es ging nur um  Anschluss nach Frankreich (316ff., 393, 394, 434, 438, 600)

Der Mehrheitswille war Besatzern und deren Helfern gleichgültig (S. 319)

Abstimmungsboykott über Eidverweigerung als politische Demonstration des Volkswillens, 92% lehnten ab (S. 379/427)

Vieltausendfache Vertreibung und Enteignung, völkerrechtswidrig und menschenverachtend (S. 372/373, 469-471)

Behauptete „Befreiung“ und „Demokratie“, aber Diktatur gegen die Bevölkerung (S. 252 – 254)

Im „Konvent“ nur kleiner Teil der betroffenen Gebiete vertreten, weitaus mehr ungeschworen (S. 427)

„Konvent“ von vornherein nur auf bestimmte Ziele ausgerichtet, war abhängig von frz. Kommissaren (S. 406)

Selbstauflösung „Konvent“ und Ende "Scheinstaat" 30. 3.93 (S. 440)

Machtpolitik ideologisch verbrämt, in F. keine Rede von „Mainzer Republik“, belanglose Durchgangsstation (S.478, 600, 601)

Alle Maßnahmen mit Einschüchterung und Gewalt durchgesetzt (S. 384/385)

„Konvent“ nickte ab, Beschlüsse nach Vorgaben, Opponenten kalt gestellt (S.406)

„Konvent“ von vornherein nur auf vorgegebene Ziele ausgerichtet (S. 406, 458)

Maßnahmen gegen Bürger wie im Terreur ab Sommer 1793 zu erwarten (S. 470ff)

Rigorose Fremdbestimmung, Bevölkerung gegen eigenen Willen ausgeliefert (S.590/591)

Eigenstaatlichkeit des besetzten Gebietes nie beabsichtigt, war für Paris bedeutungslos  (S. 600/601)

Wenn Dumont in einem eigenen Abschnitt die von aktuellen Exegeten nicht wahrgenommene „Doppelzüngigkeit“ der Besatzungsmacht und ihrer Helfer beschreibt, so sieht er aufgrund der Fakten klar: Beabsichtigt war allein die Einverleibung der linksrheinischen Lande zur Kompensation französischer Lasten, die inexistene „Republik“ wäre bloßes Vehikel gewesen (S. 586), die Menschen als bloße Manövriermasse ohne eigenständige Entscheidungsmöglichkeit.